Wie Kommunikation funktioniert
Jede Nachricht (Information, Kommunikation) beinhaltet neben der Sachinformation und der Beziehungsebene zwischen Sprechendem und Hörendem noch zwei weitere wichtige Aspekte, die Selbstkundgabe und den Appell. Dieses Modell wurde von dem Hamburger Kommunikationswissenschaftler Friedemann Schultz von Thun entwickelt.
Ein Beispiel, um das abstrakte Modell zu konkretisieren:
Zwei Menschen sitzen zusammen abends bei einem Bier, Wein oder einer Limo zusammmen. Eine sagt: "Das Glas ist halbvoll." Auf die einzelnen Kommunikationsebenen heruntergebrochen bedeutet das:
Die Sprechende:
Sachinhalt: Ich sehe, dass mein Glas nur noch halbvoll ist, aber ich habe noch mehr Durst.
Selbstkundgabe: Ich würde noch gerne länger hier sitzen und fühle mich wohl.
Beziehungsebene: Wenn Du mich wirklich magst, würdest Du mir mehr zu trinken geben und wir würden noch länger miteinander die Zeit verbringen
Appell: Nun geh´doch endlich in die Küche und füll mein Glas nach und zeige mir, dass Du mich magst.
Der Empfänger:
Sachinhalt: Es ist Zeit, das Glas nachzufüllen.
Selbstkundgabe: Aha, sie will den Abend noch ausdehnen.
Beziehungsebene: Sie will was von mir und erwartet, dass ich ihre Gefühle teile.
Appell: Jetzt soll ich also sofort aufspringen und ihr jeden Wusch erfüllen.
Natürlich können je nach Verhältnis, Vertrautheit der Personen, Situation etc. auch andere Nachrichten in dem Satz "Das Glas ist halbvoll." enthalten sein und die vorgestellte Interpretation ist nur eine von unzähligen Möglichkeiten.
Sie verdeutlicht aber, dass mit einem relativ neutral formulierten Satz, der ohne Hintergedanken formuliert wurde, bereits die Tür zu einem herrlichen Konflikt aufgestoßen werden kann.
JedeR will in der Kommunikation mit anderen Menschen verstanden und akzeptiert werden, dass der oder die GesprächspartnerIn zuhört und die eigene Person geachtet wird. Letztlich wollen wir in der Kommunikation mit anderen Menschen unsere Bedürfnisse und Ängste zum Ausdruck bringen und im Gespräch Wege finden, gemeinsam miteinander handeln zu können.
Niemand will in der Kommunikation mit anderen Menschen bedroht und erniedrigt, bloßgestellt oder beschimpft, belehrt oder gar moralisch beurteilt werden.
In der gewaltfreien Kommunikation, die wichtiger Bestandteil von konstruktiver Konfliktbearbeitung ist, geht es also darum, die Grenzen des Anderen zu erkennen, die eigenen Bedürfnisse zu formulieren, Ängste des Anderen zu respektieren und über Erlaubnisse zu verhandeln, um miteinander in Aktion zu kommen.