Kultur

Die Kultur ist eine Zwiebel - Kulturzwiebelmodell nach Fons Trompenaars

Fons Trompenaars stellt sich Kultur als eine Art Zwiebel vor, mit einer äußeren Schicht, einer inneren Schicht, und des "Pudels Kern", also unseren tiefsten kulturellen Grundannahmen.


Die Außenansicht unserer Kulturen, das was sichtbar ist, haben wir durch überschaubare Realität gebildet:
Durch Sprache, Nahrung, Kleidung, Gebäude, Denkmalkultur, Tempel und Kirchen, Kunst, Landwirtschaft, – all dies sind Symbole einer tiefer liegenden kulturellen ›Schicht‹.

Die innere Schicht, das was unsichtbar, aber wirksam ist, bilden wir durch unsere Normen und Werte.
Dort definieren wir, was „falsch“ und was „richtig“ ist, was uns unsere Kultur an Verhalten erlaubt, wo wir auf Widerstand stoßen.
Auch Verhalten entgegen der Norm setzt sich mit der Norm auseinander.

Beispiele:

nationale Normen: Französisch ist, wer im Land geboren wird.
regionale Ebene: In unserem Dorf wird an Karneval ein Umzug veranstaltet und jedeR verkleidet sich!
Geschlechterebene: Frauen, die ihre Kinder nicht verantwortungsvoll aufziehen, sind „Rabenmütter“.
Männern sehen wir hier viel nach.
Generationsebene: Unsere Alten haben uns nichts mehr zu sagen.
Soziale Klasse:  Wenn Du nicht diesen Wagentyp fährst, bist Du nicht als ManagerIn akzeptiert.
Organisationsebene: Wir sind doch alle Frauen – wir verstehen uns gut.


Unsere tiefsten Grundannahmen – "des Pudels Kern"
Sie haben uns geprägt, um zu überleben, Ausschluss zu vermeiden, der tödlich sein kann.
Sie sind regional verschieden, z.B. Bergvolk, am Meer Lebende, Wüstenbewohner, Menschen am Polarkreis…
Gerade diese tiefen kulturellen Grundannahmen, die wir nie hinterfragen, nicht hinterfragen können, weil sie uns nicht bewußt sind und trotzdem wirken, sind in internationalen und transkulturellen Konflikten besonders präsent.

Bei einem Seminar mit Johan Galtung, an dem ich teilnahm, haben wir als eine der kulturellen Grundannahmen der Deutschen einerseits unser Schuldgefühl, andererseits unseren Minderwertigkeitskomplex gegenüber Franzosen und Amerikanern herausgearbeitet.
Beides führt dazu, dass wir uns immer nach "den anderen" richten und es gerade diesen beiden Nationen, aber auch allen Anderen Recht machen wollen. Unsere Aussenpolitik, unser Engagement in Europa, unser Nationalstolz, der sich auf Fußballweltmeisterschaften beschränkt und unser Handeln mit einem beständig schlechten Gewissen sind Ausdruck dieser zwei kulturellen Grundannahmen.


Wenn wir Menschen in Situationen aus sogenannten "fremden" oder anderen Kulturkreisen, bzw. kulturellen Zusammenhängen begegnen, wird alles das, was uns als "normal" erscheint oder was uns vertraut ist, hinterfragt. Gerade in dieser Verunsicherung greifen wir dann gerne auf die kulturellen Grundnannahmen zurück.


Wer hat noch nie gedacht: "Bei uns in Deutschland, in Pusemuckel, in unserer Schule, unserem Büro, unserem Sportverein, unserer Kirchengemeinde, auf unserem Bauwagenplatz,... ist das aber so  - das war schon immer so und das wird auch immer so bleiben und das ist auch gut so."

Aber die Frage, ob es wirklich schon immer so war und was vor dem "Immer" war und warum - wenn es denn wirklich schon immer so war, es so geworden ist und was daran wirklich gut ist oder schlecht oder einfach beizubehalten, die stellt man sich (fast) nie.

Dabei ist  (fast) immer davon auszugehen, dass "Das, was schon immer war" vorher nie war und sich erst langsam entwickelt hat.


Kultur ist erlernbar, wir sehen, vergleichen, lernen von unseren Menschen und Vertrauten im gleichen Umfeld und übernehmen kulturelle Anteile, Vorstellungen und Urteile, nicht unreflektiert und nicht hundertprozentig.
Durch unser ganzes Leben hindurch lernen und formen wir unsere Kultur weiter, fügen etwas hinzu, lassen etwas weg. Doch das geschieht zum großen Teil im Unbewußten.

In Transkulturellen Trainings nach dem ATCC - Ansatz "zerpflücken" wir zusammen diesen ganzen Zwiebelsalat und kehren das Innerste und Unbewußte hervor.

Wenn Sie Ihren eigenen Kultursalat kennen, können Sie offen sein für andere Salate mit anderen Gerüchen und Geschmäckern.

Und "Cross-Over"-Kochen schmeckt einfach besser als fade und einseitig......